Die Macht der Mikroben

Die Macht der Mikroben

Focus Diabetes

Rund eine Milliarade Bakterien leben in unserem Mundraum und profitieren dort vom reichen Nahrungsangebot. Kritisch wird es, wenn Paradontitis-Errerger die Oberhand gewinnen. Sie gefährden Zahnfleisch und Zähne, lösen schwere Krankheiten aus und verschlechtern die Blutzuckerwerte.

In den tiefen Schluchten unseres Zahnfleischs tobt täglich ein Stellungskrieg, an dessen Scharmützeln und Manövern sich die Regisseure der Star Wars-Reihe einiges abgucken könnten. Die Kontrahenten sind Bakterien, die uns von Kopf bis Fuß besiedeln und denen der Mensch – je nach Körperzone – recht angenehme Lebensräume bietet. Die tropisch feuchte Mundhöhle ist quasi das luxuriös ausgestattete Penthaus: Temperatur und Feuchte sind
ideal zur Fortpflanzung., und noch dazu steht ständig ein All-you-can-eat-Buffet zur Verfügung. Kein Wunder, dass jeder Quadratzentimeter von den Mikroben hart umkämpft ist. In das Ringen um die Ressourcen greifen auch „Verteidigungstruppen“ des körpereigenen Immunsystems ein, das sich gegen bestimmte Besiedelungen wehrt. Kein Problem, solange sich die Beteiligten des Dauer-Scharmützels gegenseitig in Schach halten. Mundbakterien
sind nicht automatisch schädlich. „Einige Arten dienen unserer Gesundheit, indem sie Krankheitserreger abwehren oder Eiweiß aus der Nahrung zersetzen“, sagt Irene Wagner-Döbler, Leiterin der Arbeitsgruppe Mikrobielle Kommunikation am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. „Andere Mikroben können dagegen krank machen.“ Kritisch wird es zum Beispiel, wenn Parodontitis-Erreger im Bakterienmix die Oberhand gewinnen. Sie verursachen eine schwere Erkrankung des Zahnhalteapparates, die sogenannte Parodontitis. Dabei geht das Gewebe, das den Zahn im Kiefer verankert, zurück. Selbst völlig intakte Zähne können sich lockern oder sogar ausfallen.

Mit den Zuckerwerten steigt das Risiko

Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes haben ein dreifach erhöhtes Risiko, an Parodontitis zu erkranken. „Zuckerkranke, deren Werte nicht gut eingestellt sind, sind deutlich anfälliger“, erklärt Peter Eickholz, Direktor der Poliklinik für Parodontologie an der Goethe-Universität Frankfurt. „Hohe Blutzuckerwerte schalten den gesamten Körper auf Entzündung, was auch die Bakterienflora im Mund negativ verschiebt.“ Ist die Parodontitis erst einmal entstanden, trägt sie zusätzlich dazu bei, den Blutzucker in die Höhe zu treiben. Bakterien, die über das entzündete Zahnfleisch in den Blutkreislauf gelangen,schwächen die Insulinwirkung im Körper ab. Je tiefer die Zahnfleischtaschen und je entzündeter das Gewebe, desto stärker steigt der HbA1c. Ein Teufelskreis.

Vollständigen Artikel herunterladen: Parodontitis

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