Kostbar und knapp

Kostbar und knapp

Süddeutsche Zeitung

Der Bedarf an Spenderblut wächst beständig, zugleich schrumpft das Angebot. Mediziner müssen in Zukunft Blut sparsamer einsetzen – oder eine künstliche Alternative finden.

Ein merkwürdiger Geruch nach Eisen und Kunststoff hängt in der Luft. Auch der Anblick ist surreal: In dem weiß gefliesten Raum baumeln unzählige Plastikbeutel an einer Metallvorrichtung von der Decke. Eine dunkelrote, zähe Flüssigkeit pulsiert durch Schläuche, die wiederum in den Beuteln münden. So sieht es aus in der sogenannten Vollblutverarbeitung des Bayerischen Blutspendedienstes im unterfränkischen Wiesentheid, gut 30 Kilometer östlich von Würzburg. Nur 4800 Menschen leben in dem Ort, aber sämtliche Blutspenden Bayerns werden hier verarbeitet.
„Wir haben hier sozusagen unseren eigenen kleinen Blutkreislauf“, sagt Alexander Giss, Leiter des Produktions- und Logistikzentrums des Blutspendedienstes des Deutschen Roten Kreuzes. Geschäftig führt er durch alle Stationen. Das makabre Kunstwerk aus Blutbeuteln war die Filtrationsstation. In den Schläuchen holt ein Filter die Leukozyten – die weißen Blutkörperchen – aus dem Blut. „Das ist eine Sicherheitsmaßnahme, denn auf den Leukozyten befinden sich Viren und Antikörper, die den Patienten gefährlich werden könnten.“ Nach der Filtration ruckelt das Blut auf Fließbändern dahin, wird rasend schnell in Zentrifugen geschleudert, in seine Bestandteile zerlegt und von Mitarbeitern in Kisten verstaut – um anschließend in Form von 500 Milliliter dunkelrotem Erythrozyten-Konzentrat aus roten Blutkörperchen seiner Bestimmung entgegengekarrt zu werden. „Ery“ rettet Menschen mit Blutverlust nach Unfällen oder Operationen das Leben. Die Geschichte der Transfusionsmedizin ist seit der Entdeckung der Blutgruppen im Jahr 1901 eine Erfolgsstory: Sie rettete Millionen Menschenleben, das Spenden galt lange als Bürgerpflicht. Heute führen Ärzte in Deutschland jährlich vier bis fünf Millionen Bluttransfusionen durch, das entspricht in etwa einem Verbrauch von vier Millionen Litern. Und dennoch leidet das Verfahren unter massiven Problemen.

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