Der Mensch, ein Tier

Der Mensch, ein Tier

Süddeutsche Zeitung

Dickhornschafe können Suchtprobleme entwickeln, Hunde leiden unter Allergien und manche Katzen sind psychisch auffällig. Human- und Tiermediziner könnten viel voneinander lernen – wenn sie sich mehr füreinander interessieren würden.

Popeye hat offensichtlich ein Problem. Einmal von der Leine gelassen, rumpelt der blonde Schönling durch das Behandlungszimmer, um jedem Menschen im Raum seine Freude über dessen Anwesenheit zu demonstrieren. Doch kaum hat der junge Labradorrüde das erledigt, ist seine Schnauze schon wieder am Boden. Seinen dicken Schädel dreht er wie eine Bürste in einer Waschanlage hin und her. Sein Frauchen fühlt mit ihm: „Er kratzt sich schon so lange wie verrückt.“

Kurze Zeit später liegt Popeye unter Narkose auf dem Behandlungstisch. Die linke Bauchseite ist rasiert, winzige Knubbel erscheinen auf der blassrosa Haut. Die Dermatologen der veterinärmedizinischen Universität Wien wenden einen Hauttest an, um herauszufinden, gegen was Popeye allergisch ist. „Immer mehr Hunde entwickeln Allergien. Popeye ist auch noch blond, helle Hunde haben eine stärkere Neigung dazu. Genau wie bei den Menschen“, sagt die Immunologin und Allergologin Erika Jensen-Jarolim. Ein Knubbel auf Popeyes Bauch schwillt indes zu einem roten Hügel in Backerbsengröße. Alles klar: Popeye hat eine Allergie gegen Hausstaubmilben – und vielleicht noch gegen Gräser. Popeyes Beschwerden gleichen denen eines menschlichen Allergikers, Diagnose und sogar die Therapie verlaufen genauso wie ein einer humanmedizinischen Praxis. Später wird Popeye eine Hyposensibilisierung erhalten.

Was die Gesundheit angeht, sind sich Mensch und Tier häufig näher als man denkt: Es gibt Dickhornschafe, die ein Suchtproblem mit Mohnpflanzen haben, sich selbst verletzende Katzen, Seeotter in Pubertätskrisen und Golden Retriever mit Brustkrebs. Dass solche Parallelen existieren, ist nichts Neues. Doch wurde bislang kaum ihr Potenzial gesehen.

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