Die Zeit in uns

Die Zeit in uns

Süddeutsche Zeitung

Viele Menschen plädieren für eine durchgehende Sommerzeit. Dabei hat das derzeit übliche System durchaus Vorteile. Es erleichtert im Winter den Start in den Tag.

Der Kini war ein extremer Nachtmensch. Historischen Quellen zufolge unternahm König Ludwig der Zweite seine Kutschfahrten durch Bayerns Berglandschaften und alle anderen Tätigkeiten ausschließlich spätnachts – zum Leidwesen seiner Bediensteten. Tagsüber, wenn es um offizielle Regierungsgeschäfte ging, schlurfte seine Majestät dann gerädert durch die Gänge seiner Schlösser. Manche Forscher mutmaßen sogar, dass Ludwigs überlieferte psychische Labilität und seine mangelnde Begabung zum Regieren etwas mit seinem gestörten Biorhythmus zu tun gehabt haben könnten. Das bleibt Spekulation.
Dennoch ist König Ludwig ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie sehr wir Menschen davon abhängen, dass unsere innere Uhr richtig tickt. Deren Taktung bestimmen die Gene und das Licht – und deshalb auch die Zeit, zu der ein Tag anfängt und endet. Und offenbar finden viele Menschen, dass sie nicht richtig ticken: Einige leiden unter der Zeitumstellung, die den Rhythmus zweimal im Jahr etwas durcheinanderbringt. Viele Deutsche haben in diesem Sommer in einer europaweiten Umfrage der EU-Kommission für die Abschaffung der Zeitumstellung und für die dauerhafte Einführung der sogenannten Sommerzeit gestimmt. Auch in einer weiteren, repräsentativen Umfrage der Krankenkasse DAK plädierten 80 Prozent der Befragten dafür. Nach dem Willen der EU- Kommission sollen nun am 31. März 2019 ein letztes Mal verpflichtend die Uhren umgestellt werden. Beim nächsten Termin, dem 27. Oktober 2019, wäre die Zeitumstellung für die Mitgliedstaaten freiwillig.
Die meisten Chronobiologen halten das Hin und Her der Zeitumstellung tatsächlich für unnötig – und deren Abschaffung für problemlos. Doch nun steht die Frage an, in welcher Zeit wir künftig leben wollen: Wir müssen uns entweder für die Standard Time (ST) entscheiden, die wir auf Deutsch Winterzeit nennen, oder für die Daylight Saving Time (DST), also die sogenannte Sommerzeit. „Bloß nicht die Sommerzeit“, sagt Till Roenneberg.

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