Beruf: Roboterpsychologin

Beruf: Roboterpsychologin

Focus Magazin

Martina Mara ist nicht etwa eine Therapeutin für künstliche Intelligenzen. Die Wissenschaftlerin aus Linz will uns falsche Ängste vor Maschinen nehmen.

Martina Mara: Jetzt wollen Sie bestimmt von mir hören, welche psychische Störung ich beim Terminator diagnostizieren würde. Das wollen alle wissen.
Focus: Eigentlich war das nicht meine erste Frage. Aber legen Sie mal los.
Der Terminator ist Science-Fiction.Echte Roboter – egal, wie modern sie sind –haben kein Bewusstsein und keine Psyche. Deshalb therapiere ich keine Roboter, und das Sofa, auf dem Sie da sitzen, ist keine Freud’sche Therapiecouch.
Wen therapiert eine Roboterpsychologin dann?
Ehrlich gesagt, habe ich den Titel geklaut. In den Kurzgeschichten des Science-Fiction-Autors Isaac Asimov gibt es die Roboterpsychologin Susan Calvin, die sich der Neurosen und Probleme humanoider Roboter annimmt. Bei mir ist es aber eher umgekehrt. Meine Forschung beschäftigt sich damit, wie Menschen Roboter und künstliche Intelligenz (KI) erleben und wie sie gestaltet werden müssen, damit Menschen sie auch akzeptieren.
Also müssen wir auf die Couch?
In Zukunft werden Maschinen ein immer wichtigerer Bestandteil unseres Alltags, ob das nun Alexa im Wohnzimmer oder das selbstfahrende Auto ist. Ich möchte herausfinden, wie wir eine sinnvolle und ergänzende Gemeinschaft aus Mensch und Maschine hinbekommen.
*Sie sagen, Roboter haben keine Psyche.Aber was ist dann mit der berühmten Roboterfrau Sophia, die öffentlich über ihren Kinderwunsch spricht und die
saudische Staatsbürgerschaft besitzt?*
Die Darstellung von Robotern und künstlicher Intelligenz als menschenähnliches und emotionales Wesen ist zwar sehr medienwirksam, sind aber absolute Fake News. Auch Sophia hat keine Psyche, kein Bewusstsein und ganz sicher keinen Kinderwunsch. Die Hongkonger Firma Hanson Robotics hat mit ihr einen Marketing-Hit entwickelt, der oft für Veranstaltungen gebucht wird. Tatsächlich kann Sophia fast gar nichts, was Menschen können – sie hat einfach eine gute Chatbot-Funktion wie zum Beispiel Alexa oder Siri. Diese wird aber nicht einmal genutzt: Um bei Bühnenshows auf Nummer sicher zu gehen, müssen Kunden die Fragen Wochen vorher einreichen.
Ist denn die Vermenschlichung von künstlicher Intelligenz überhaupt so schlimm?
Sie schürt Ängste und lenkt von den realen Problemen ab. Hochgradig menschenähnliche Androiden vermitteln den Eindruck, dass der Mensch als gesamtes Wesen durch Technologie ersetzt werden könne. Das ist reine Mythologie. …

Link zum vollständigen Interview.

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